Wie gehe ich gegen ein mangelhaftes Gutachten vor?

Wie kann man sich gegen eine Falschbegutachtung durch einen Gutachter wehren?

Foto Affe mit 3 Fragezeichen
Falschbegutachtung im Familienrecht. Wie kann man sich wehren?

Wenn das Familiengericht ein Gutachten beschliesst, dann entscheiden Gutachter über das Schicksal der Kinder. Nicht immer sind die Entscheidungen der Gutachter für die Betroffenen nachvollziehbar. Erfahren Sie hier, wie Sie sich gegen eine Falschgutachten wehren können.

Beauftragung des Gutachters durch das Familiengericht

Das Gutachten soll dem Familiengericht dazu dienen, sich Arbeit zu ersparen. Der Richter braucht mit einem Gutachten nämlich nicht mehr weiter zu ermitteln, sondern kann seine Entscheidung auf das Gutachten stützen. Auch der Verfahrensbeistand spart sich durch ein Gutachter jede Menge Arbeit. Insoweit hat auch der Verfahrensbeistand gegen eine Begutachtung nichts einzuwenden.

Teilnahme an der Begutachtung ist freiwillig

Justizia ist blind
Justizia ist blind

Die erste Reaktionsmöglichkeit der Betroffenen Eltern ist, sich der Begutachtung zu entziehen, weil die Begutachtung nämlich freiwillig ist und Eltern nicht dazu gezwungen werden können, zu einer Begutachtung zu erscheinen um sich dort begutachten zu lassen.

Obgleich die Begutachtung freiwillig ist und bekannt ist, das mehr als 75% aller Gutachten mangelhaft / nicht verwertbar sind, nehmen viele Eltern trotzdem an der Begutachtung teil und wundern sich dann hinterher über ein Gutachten, das für die Betroffenen nicht nachvollziehbar ist.

Die meisten Eltern verzichten auch auf ihr Recht, einen Zeugen zur Begutachtung mitzunehmen, obgleich ihnen dieses Recht zusteht, um gegebenenfalls Falschaussagen / falsche Behauptungen des Sachverständigen im Streitfall widerlegen zu können.

Naivität bei Begutachtung wird bestraft

Die Naivität der Eltern bei der Begutachtung (der Gutachter wird ja seinen Job schon richtig machen, wir leben ja schliesslich in einem Rechtsstaat) wird dann meist bestraft und Eltern erhalten dann häufig ein Gutachten, das für die meisten Menschen mit gesunden Menschenverstand nicht nachvollziehbar ist.

In einigen Fällen lagen uns z.b. Gutachten vor, in denen eine Gutachterin sich dafür ausgesprochen hat, das Kind bei dem Elternteil zu belassen, der keine Zeit und kein Geld hat, sich um das Kind zu kümmern. Weil der Elternteil keine Zeit und kein Geld hat, könne von diesem Elternteil ja nicht verlangt werden, das das Kind beim anderen Elternteil lebe und er dann das Kind dort besuchen solle, weil schliesslich hat der Elternteil keine Zeit und kein Geld. Im übrigen hat die Richterin am Familiengericht Hannover dieses auch als Begründung so übernommen. Sie sehen also, bei einer Begutachtung ist alles möglich…Hauptsache die Sache ist für das Gericht dann schnell vom Tisch…

Wenn das Gutachten vorliegt, ist Handeln angesagt

Urteil Hammer
Urteil Hammer

Sobald Eltern das Gutachten vorliegen haben und mit dem was der Gutachter / die Gutachterin geschrieben hat nicht einverstanden sind, müssen die Eltern handeln, damit der Richter trotz des Fragwürdigen Gutachtens sein Urteil nicht auf dieses Gutachten stützt.

Anhörung des Sachverständigen zwingend erforderlich

Es ist zunächst wichtig, den Sachverständigen vor Gericht zu seinen Gutachten anzuhören und diesbezüglich die Anhörung des Sachverständigen zu beantragen. Verzichten Eltern auf dieses Recht, so hilft sämtliche Kritik an dem Gutachten wenig, weil die Eltern ihr Recht nicht wahrgenommen haben, den Sachverständigen zu seinem Gutachten anzuhören. Im übrigen weisen Anwälte ihre Mandanten hierauf meist nicht hin, weil die Anhörung des Sachverständigen mit viel Arbeit verbunden ist und Anwälte sich häufig diesen Stress ersparen wollen.

Wer das also richtig macht, der kann den Gutachter dazu zwingen, vor Gericht zu erscheinen und der kann dann dem Richter so richtig viel Arbeit machen, die dieser sich ja eigentlich ersparen wollte. Im übrigen brauchen Eltern ihre Fragen an den Sachverständigen nicht vorab dem Gericht vorlegen, wie der Bundesgerichtshof entschieden hat. Das Gericht ist also gezwungen den Gutachter anzuhören

Die Anhörung des Sachverständigen sollte gut vorbereitet sein um das Gutachten in seiner Glaubwürdigkeit zu erschüttern und Zweifel gegen das Gutachten zu erheben und das Gutachten bemängeln… Ein mangelhaftes Gutachten rechtfertigt aber keinen Sorgerechtsenzug, wie das Bundesverfassungsgericht entschieden hat. Das Gericht kann dann zwar immer noch gegen den Elternteil entscheiden, der sich gegen das Gutachten gewehrt hat, muss dann jedoch begründen, warum es das Sachverständigengutachten gleichwohl für verwertbar hält. (Das dürfte in der Praxis aber schwierig sein, weil der Richter ja keinen Sachverstand hat und ihm somit erst Recht auch der Sachverstand fehlen dürfte, über einen Sachverständigen „urteilen“ zu dürfen)

Gegengutachten helfen bei der Argumentation

Wer das Gutachten des Gerichts bemängelt, kann eigene Sachverständigengutachten / gutachterliche Stellungnahmen vor Gericht einreichen um seine Rechtsposition zu verbessern. Das OLG Hamm hat hier sogar entschieden, das PKH-Anwälte hierfür sogar einen Kostenvorschuss aus der Gerichtskasse erhalten müssen.

Legt ein Elternteil dann ein (oder mehrere) Gutachten vor, so bringt es damit das Gericht in Erklärungsnöte, denn nun will der andere Elternteil sich ja dann nicht auf die Privatgutachten einlassen und will lieber das Gerichtsgutachten verwerten. Das Gericht muss aber das Privatgutachten ebenfalls berücksichtigen und kann sich nicht aussuchen, welches Gutachten es berücksichtigt und welches nicht.

"Einwände, die sich aus einem Privatgutachten gegen das Gutachten des gerichtlichen Sachverständigenergeben, muss das Gericht ernst nehmen, ihnen nachgehen und den Sachverhalt weiter aufklären."

Die Situation ist dann so schwierig, das an dieser Stelle häufig ein Kompromiss auf der Elternebene erreicht werden kann, sofern die Eltern sich im Vorfeld hierauf verständigen… denn am Ende geht es doch darum, das die Eltern sich vertragen und den Kindern beide Eltern erhalten bleiben.

Mit diesem Ratgeber dürfte es Eltern leichter fallen, sich gegen eine Falschbegutachtung zur Wehr zu setzen, dennoch ist hierbei eine Menge Fingerspitzengefühl und Sensibilität erforderlich. Wir haben in den vergangenen Jahren erfolgreich mit unserer Beratung Väter und Mütter bei obigem Vorgehen begleitet und stehen auch anderen Interessierten Eltern gerne beratend zur Seite.

9 thoughts on “Wie gehe ich gegen ein mangelhaftes Gutachten vor?

  1. Junger junge 15/10/2015 at 00:16

    Habe das gutachen für keine gemeinsame elterliche sorge zugestellt bekommen und werde mir morgen einen besseren anwalt besorgen müssen…
    Die gutachterin hat mich als hippi und der verfahrenbeistand als ekelig beschrieben weil meine beiden kinder mich in der privaten wohnung auch nackig sehen konnten…..
    Bin echt geflasht von so wenig offenheit und so viel spießigen sachverstand…..solche menschen sollten auslandseinsätze und nicht in die liebevoll eigerichteten kinderstuben machen, pfui….wir jungen väter werden mehr und mehr konditioniert schmerzen zu ertragen…welche lobby ist hier gegen die zugpferde der familien.?
    Solche organisationen und ihre handlanger machen mich echt fertig…..gute nacht….ich komme wieder…
    Gott mit euch……

  2. Kairos 14/09/2015 at 10:40

    Gegen ein „falsches Gutachten“ kann man eigentlich gar nichts machen. Man hat es am Hals hängen, wie eine Markierung.
    Zu allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten wird
    es hervorgezogen, damit das Individuum als missliebig, unbrauchbar, unwert, dargestellt werden kann. Man muss lernen, damit umzugehen.

    Was ein „Sachverständiger“ einmal von sich gegeben hat,
    wird nicht mehr angezweifelt.

    Wenn also ein Gutachten vorliegt, ist die Sache schon gelaufen, zeigt Wirkung für immer.
    Man kann und sollte dem Gericht darlegen, dass man das Gutachten und den Gutachter ablehnt und aufzeigen, was daran „falsch“ ist.
    Wenn man die erforderlichen Mittel hat, lässt man sich ein Gegengutachten erstellen, das den Vorstellungen und Gegebenheiten besser entspricht.
    Solche „Privatgutachten“ muss das Gericht – theoretisch –
    beachten und danach begründen, warum es diesem nicht folgen will. Das Gericht begründet dies aber nicht. Niemand
    rügt das oder hätte im Moment die Macht, dies dauerhaft zu rügen. Trotzdem kann man die Öffentlichkeit sensibilisieren.
    Man sollte nicht schweigen.

    Tatsächlich hat der Richter schon die Meinung bzw.
    die Ausführungen des Sachverständigen zur „Überzeugung des Gerichts“ , wie es heißt, zu seiner eigenen Meinung gemacht. Er hat damit Recht „geschöpft“.

    Wie uns durch Stichproben führender Gutachter bekannt gemacht wurde, sind ca. 75 % aller Gutachten unbrauchbar, dürften nicht verwertet werden.
    Trotzdem werden sie verwertet.
    Wenn ein Gutachten nachweislich grobe Verletzungen der Persönlichkeitsrechte des Begutachteten enthält, kann man Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstatten. Man sollte es auch.
    Die wird die Ermittlungen aber wahrscheinlich einstellen, u.a. mit dem Hinweis, dass kein öffentliches Interesse besteht,
    Aufklärungen zu betreiben.
    Es müsste aber im öffentlichen Interesse liegen, das Gutachterunwesen im Familienrecht einzudämmen, indem
    die Faken beleuchtet werden.

    Zumeist müssten nur die vorhandenen Gesetze angewendet werden, dann müsste es auch Richtern auffallen, dass sie ihre
    eigene Position untergraben, wenn sie nur wie blind den selbst gewählten Sachverständigen folgen. Sie machen derzeit die Gutachter zu Richtern, bekunden, dass sie als Richter nicht taugen.
    Wenn der Richter die notwendige Sachkunde nicht hat –
    ein Psychologe ist ja per definitionem ein Seelenkenner und -heiler, der Richter nur ein Jurist,
    sollte er nicht über Familien und Individuen im Familienverband richten dürfen. Zum Verderb der Familien,
    zu deren Auflösung, braucht man keine Richter, die sich Familienrichter nur nennen, ohne etwas von Familien zu verstehen. Das Familiengericht soll befrieden, klug weisen,
    kann auch, wenn es Familiengerichte schon gibt, auch einmal stringent auf die Einhaltung bestimmter Regeln drängen.

    Um das Familiengericht zu dem zu machen, zu dem es vom Gesetzgeber her vorgesehen ist, braucht es umfassend ausgebildete Richter, nicht nur Technokraten.

    Deshalb darf man nicht schweigen zu allem, muss öffentlich machen und belegen, was in den deutschen Familiengerichten geschieht.

    Ein Verband wie dieser kann dabei mithelfen.

    • Väter und Mütter für Kinder 14/09/2015 at 13:19

      Es ist schwierig, gegen ein „Falschgutachten“ vorzugehen aber es ist mit der richtigen Strategie möglich.
      In einem aktuellem Fall hat sich der Sachverständige z.b. gegen das gemeinsame Sorgerecht ausgesprochen und empfahl, einem Elternteil das alleinige Sorgerecht zuzusprechen.
      Begründet wurdet dieses unter anderem mit dem „aggressivem Verhalten“ des Kindesvaters.
      Eine gemeinsame Ausübung der elterliche Sorge war nach Ansicht des Sachverständigen völlig undenkbar. Der Sachverständige wurde vom Gericht als zuverlässig eingeschätzt und hat jahrelang für das betroffene Familiengericht Gutachten erstellt. An der Meinung des Sachverständigen gab es also keine Zweifel.
      Etwa ein halbes Jahr später erhielt der Kindesvater das gemeinsame Sorgerecht inklusive dem Aufenthaltsbestimmungsrecht (das zuvor auf die Kindesmutter übertragen worden ist)
      Diese Situation war natürlich erst recht für den Sachverständigen undenbkbar.
      Das ganze erfolgte per gerichtlichen Beschluss noch in der ersten Instanz! Der Kindesvater musste also noch nicht mal eine Beschwerde ans OLG oder gar nach Karlsruhe senden und hat sich somit weitere Gerichts- und Anwaltskosten erspart.

      Geht nicht ? Ja kann sein, aber dann kam einer, der das nicht wusste das es nicht geht und hat es einfach erfolgreich gemacht!

      Wer hier also behauptet das ginge nicht, hat einfach den falschen Weg eingeschlagen.

      • Kairos 14/09/2015 at 14:13

        Da wäre es mehr als nützlich, einen solchen anderen, richtigen Weg mal aus Ihrer Sicht zu beschreiben, anstatt nur zu behaupten: Ein Gutachter kann auch mal überstimmt werden.
        Es geht tatsächlich alles – die Persönlichkeit des Richters, seine
        Vorprägungen, sein politisches und sonstiges Verständnis
        seine Sicherheit im Richterverbund, seine privaten Verbindungen und Neigungen, Sympathie und Antipathie für oder gegen dieses oder jenes, etc. etc.
        etc. bestimmen das Geschehen.
        Ganz sicher ist aber, dass mit einer Änderung eines einmal gefassten gerichtlichen Beschlusses kein Irrtum oder eine Schuld eingestanden wird.

        • Väter und Mütter für Kinder 14/11/2015 at 11:07

          Na einen weg habe ich doch beschrieben in dem oben genannten Artikel. Es geht auch nicht um Schuldzuweisungen oder ähnliches sondern es geht darum, das die Betroffenen Verantwortung für ihr Handeln übernehmen anstatt nur rumzuheulen! Wer sich als Elternteil für sein Kind ehrlich engagiert, dem kann durch ein Gutachten die elterliche Sorge kaum entzogen werden, weil der betroffene Elternteil dann ja auch wieder nachweisen kann, das das Gutachten falsch ist usw.
          Das erreicht man aber nicht, wenn man sich in sein stilles Kämmerlein zurückzieht und rumheult oder in sozialen Netzwerken über die Gutachter schimpft, sondern man muss schon die Ärmel hochkrempeln und sich auch Unterstützung suchen und dann gegen das Gutachten vorgehen! Ich berate und unterstütze nun schon seit einiger Zeit Eltern bei diesen Vorgehen sehr erfolgreich und kann also behaupten das es einen erfolgreichen Weg gibt. Vielleicht gibt es auch andere Wege, die erfolgreich sind, aber wie schon geschrieben gibt es einen nützlichen Weg, auf dem ich die Betroffenen begleite.

          • Kairos 14/11/2015 at 23:57

            Sie glauben nach wie vor, dass unser Rechtssystem Beweisen zugänglich wäre, dass es Gerechtigkeit gäbe?
            Es gibt etliche Fälle, da wurden Beweise vorgelegt und es wurde nicht „nur rumgeheult“, wie Sie meinten.

            Die Beweiswürdigung ist jedoch allein Sache des Richters und dessen Rechtsempfinden orientiert sich oft nicht am Gesetz, sondern ist ganz individuell.
            Gutachten kann ein Betroffener also nicht widerlegen.
            Denken Sie mal an den Fall, in dem ein Gutachter Falschbeschuldigungen erhob, aber diese trotzdem straflos und unangefochten niederschreiben darf.
            Ein solches Gutachten wird Sie ein Leben lang verfolgen.
            Sie haben als Eltern verloren, wenn Ihr Richter Sie als Mensch nicht respektiert und seine Machtposition nicht zur Befriedung und Problemlösung nutzt.
            Dagegen hilft die beste Strategie nichts.

  3. bianca 13/09/2015 at 16:05

    wenn ich ein gutachter verklagen will wegen falschen gutachten wo mache ich das

    • StuDO 14/11/2015 at 08:53

      Hallo Bianca,
      geh zum Staatsanwalt und mache eine Strafanzeige. Belege alles gut mit Gegengutachten und anderen Aussagen und suche möglichst nach Leuten, die ebenfalls durch das ungerechte Gutachten gelitten haben. Viel Glück!

      • Kairos 14/11/2015 at 23:42

        Das bringt doch gar nichts.
        Ermittlungen werden in der Regel erst gar nicht aufgenommen, da die Staatsanwaltschaften einen Anfangsverdacht regelmäßig verneinen.

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