Väter und Mütter für Kinder

Mit einer Trennung richtig umgehen

Alternative Möglichkeiten, mit einer Trennung und deren Folgen umzugehen.

Hallo allerseits, und damit meine ich sowohl betroffene Väter als auch Mütter gleichermaßen, wobei sich der Focus heute auf die Kindesentfremdung und meinen Umgang damit richtet. Wobei es sich in meinem Fall Gott sei Dank nicht um die ganz schwierigen Fälle von Kindesentfremdung handelt, sondern um eine Variante,die ich noch nicht einschätzen kann. Vielleicht gibt es ja ähnliche Fälle und es kommt hier zu einem Gedankenaustausch. Je nach Zeitfenster und gemachten Erfahrungen werde ich diesen Bericht in loser Folge fortsetzen.

Übrigens habe ich mir erlaubt, eine neue Kategorie ins Leben zu rufen, da ich die vorhandenen für mich in diesem Fall als zu speziell empfunden habe.

Nachdem ich jetzt ca. ein Jahr damit verbracht habe, mich an die neue Situation der Trennung zu gewöhnen,  möchte ich hier meine selbst gemachten Erfahrungen einfach mal veröffentlichen, wohl wissend, dass jeder seine eigenen Erfahrungen gemacht hat und machen muss. Aber vielleicht hilft es trotzdem hier und da ein wenig weiter.

Nachdem sich meine Frau (ich weiß, meine Frau ist eigentlich ein blöder Ausdruck, und es gibt kein „Mein“ bezogen auf eine Partnerin oder einen Partner, aber der Einfachheit halber belasse ich es mal dabei) nach 23 Jahren mit unseren beiden gemeinsamen Kindern, einem Jungen von 12 Jahren und einer Tochter im Alter von 8 Jahren, von mir getrennt hat und sich für einen „besseren“ Partner entschied, fiel ich erst einmal in ein tiefes Loch. Diese Gefühlswelt ist wahrscheinlich den meisten bekannt. Ich möchte jetzt nicht in bekannte Kerben schlagen oder mich in Schuldzuweisungen ergehen, denn es gehören immer 2 zu einer Partnerschaft. Ich möchte lediglich beschreiben, wie ich in kleinen Schritten meinen Weg gefunden habe. Dieser Weg ist zwar noch lange nicht zu Ende, aber ich halte mich da mal an Konfuzius – Der Weg ist das Ziel – und Kafka – Wege entstehen dadurch, das man sie geht -.

Zugegeben, es hat lange gedauert, bis ich damit umgehen konnte, meine Kinder nicht oder nur noch in regelmäßigen Abständen sehen zu können. Mein Sohn hat mich seit der Trennung vielleicht ganze 5 mal bei mir zu Hause besucht, und nur einmal über Nacht. Meine Tochter sehe ich regelmäßig, entweder alle 14 Tage, oder nach Absprache mit Ihrer Mama, die oft über das Wochenende auswärts arbeitet, auch mal 2 Wochenenden hintereinander. Ich hole die Kleine dann freitags von der Schule ab und bringe sie entweder sonntags Abends wieder zur Mama oder montags direkt zur Schule.

Auch zum ersten Mal bewusst Weihnachten und Silvester alleine zu verbringen, war eine mehr als harte Nummer.

Es hat auch lange gedauert, bis ich wirklich akzeptieren konnte, dass meine Frau immer weniger mit mir kommunizieren wollte und will. Wir beschränken uns zurzeit auf das Notwendigste, in der Regel per SMS, nur in ganz dringenden Fällen auch telefonisch. Tat erst weh, hat mir dadurch aber trotzdem geholfen, da ich einfach nicht mehr so oft ihre Stimme höre. Ich denke aber auch hier positiv und gehe einfach mal davon aus, dass sich das im Laufe der Zeit auch wieder einspielt.

Was meinen Sohn anbelangt, so ging ich zu Beginn davon aus, das hier eine gewollte und aktive Entfremdung seitens meiner Frau und deren neuem „Lebensabschnittsgefährten“ zwischen meinem Sohn und mir stattfinden sollte. Mittlerweile bin ich mir da nicht mehr so sicher, da die Besuche mit meiner Tochter ja gut und einvernehmlich ablaufen. Es würde keinen Sinn machen, das unterschiedlich zu handeln. Ich vermute eher, dass mein Sohnemann so etwas wie eine Beschützerrolle seiner Mama gegenüber übernommen hat und nun zwischen zwei Stühlen sitzt, wobei ich natürlich nicht weiß, ob er Gespräche zwischen meiner Frau und ihrem Freund über mich mitbekommt. Dazu kommt, das er eher introvertiert ist und nicht gerne redet, schon gar nicht über seine Probleme. Da ist er leider ganz die Mama. Ich habe in der Vergangenheit versucht, mit ihm zu reden und ihn auch gefragt, warum er mich nicht besuchen möchte und dabei schnell bemerkt, dass ich damit unter Druck setze und in eine Zwickmühle bringe. Also habe ich es gelassen und nach Alternativen gesucht. Hier kam mir der Zufall zu Hilfe. Über eine Bekannte erfuhr ich, das Sohnemann dieses (für mich) neue Kommunikationsmittel „WhatsApp“ nutzt. Nun bin ich nicht der Spezialist für diese neuen Medien, habe mir aber einen Account eingerichtet (ging tatsächlich sehr einfach) und habe somit die Möglichkeit, mit ihm Kontakt aufzunehmen, zumal man sehen kann, ob der Teilnehmer gerade online ist. Ich schreibe ihm jeden Morgen, wenn er aufsteht und jeden Abend eine Nachricht, mal länger, mal kürzer. Ganz einfach, was mir gerade durch den Kopf geht. Ich wünsche ihm einen schönen Tag oder eine gute Nacht, schreibe ihm von meinen Tagesabläufen, sodass er, zumindest in Gedanken, daran teilhaben kann, wenn er möchte. Oder, ganz wichtig, dass ich sehr stolz auf ihn bin. Generell und wie er mit der Situation umgeht. Ich berichte ihm manchmal, was seine Schwester am Wochenende so alles mit mir erlebt hat oder soll ihm auch in ihrem Auftrag schreiben, das sie ihren großen Bruder sehr lieb hat. Aber auch, das er und seine Schwester nichts dafür können, das ihre Eltern nicht mehr zusammen wohnen und wir beide nach wie vor unsere Kinder sehr, sehr lieb haben und sie das wichtigste sind in unserem Leben. Oder aber ich schreibe ihm, das ich  mir wünsche, irgendwann mit ihm all die schönen Dinge zu tun, die tolle Söhne mit ihren Vätern so tun. Kurz, ich versuche über dieses Medium, einen regelmäßigen Kontakt zu ihm zu halten, auch wenn er sich noch sehr einseitig gestaltet. Dazu zählt auch, das ich kein Problem damit habe, unsere Tochter sowohl abzuholen, als auch zurückzubringen. Im Gegenteil, je mehr Zeit ich mit ihr verbringen kann, desto besser. Das sind auch dann die kurzen Momente, wo ich Sohnemann sehen kann, ihn mal in die Arme nehmen und, wenn auch nur kurz, mit ihm sprechen kann. Sind wir für einen kurzen Moment alleine, verhält er sich komplett anders. Er kann dann sogar mal sagen, dass er mich auch lieb hat. Zu Hause angekommen, schreibe ich ihm dann, wie sehr es mich gefreut hat, ihn zu sehen und mit ihm zu reden.

Da er auf seiner Seite immer wieder mal Zitate einsetzt, ist auch das nicht uninteressant. Sein neuestes lautet: frühere heiratete man die Jungfrau und tötete den Drachen, heute gibt es keine Jungfrauen mehr, da nimmt man den Drachen. Das kann man erst mal deuten, wie man will. Ich habe dieses Zitat zum Anlass genommen, ihm zu schreiben, das ich diesen Spruch Super finde, aber es heute trotzdem immer noch sehr nette Jungfrauen gibt, die Drachen in der absoluten Minderheit sind und seine Mama zu den Jungfrauen gehört und nicht zu den Drachen. Dass er auf seine Mama sehr stolz sein kann, das ich das auch bin usw.

Ich versuche auf und mit diesem Weg der Kommunikation meinem Sohn das Gefühl zu geben, immer für ihn da zu sein. Ohne Druck durch Gespräche, seien sie noch so gut gemeint, aufzubauen. Ihm das Gefühl zu vermitteln, sein Papa denkt jeden Tag an ihn, ist in Gedanken jeden Tag bei ihm. So kann er sich seine eigenen Gedanken machen, kann selbst entscheiden, ob er das geschriebene liest, speichert oder löscht. Kann selbst entscheiden, ob, wann und wie er Kontakt mit mir aufnehmen möchte. Da ich ihn sehr gut kenne, glaube ich zu wissen, wie er tickt. Und, wenn ich eins gelernt habe, Druck erzeugt Gegendruck. Und ich habe bemerkt, das er jeden Tag zu gleichen Zeiten online ist. Es hat schon fast etwas von einem Ritual, so, als warte er schon auf eine Nachricht. Und es ist so etwas wie ein kleines Geheimnis zwischen uns beiden.

Es ist zwar mehr als richtig, das Kinder ihre Eltern brauchen, und zwar beide. Aber ich glaube, nicht um jeden Preis. So schmerzlich das für den/die Betroffenen ist, aber wir sollten immer versuchen, das Beste für unsere Kinder zu ermöglichen, auch wenn wir, unser Ego und unsere Gefühle zurückstecken müssen.

Dazu gehört für mich auch, nie ein schlechtes Wort über meine Frau zu verlieren. Egal wo und zu welchem Anlass. Nicht nur wegen der Kinder, sondern ich finde, das schmutzige Wäsche und Rosenkrieg nichts bringt, in der Öffentlichkeit schon gar nicht. Mittlerweile schaffe ich das auch bei ihrem Freund, er ist zwar für mich persönlich zwar nicht existent, aber das liegt eher an ihm selbst. Ich verhalte mich ihm gegenüber, sofern wir uns mal über den Weg laufen, freundlich neutral und korrekt.

Als sich meine Frau für ihren jetzigen Freund entschied, habe ich mich darüber mit meinem Sohn unterhalten. Zwei für uns beide sehr wichtige Dinge, die ich mir eingeprägt habe, hat er mir gesagt: 1. … wenn dadurch nicht mehr gestritten wird und ihr beide (also Mama und Papa, jeder für sich) wieder glücklicher werdet, ist das besser, als wenn ihr wegen uns zusammen bleibt und die Streitereien immer weiter gehen… und 2. … Mamas Freund ist mein Freund und Du bist mein Papa…

Ich hoffe und glaube ganz fest daran, dass der Weg, den ich gerade mit meinem Sohn gehe, ein richtiger und langfristig machbarer Weg sein wird.

Auch für mich, denn ich beschäftige mich jeden Tag aufs Neue mit ihm. Wenn auch nur in Gedanken und mit geschriebenen Worten, aber trotzdem ist es eine Möglichkeit für beide, gedanklich in Verbindung zu bleiben.

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