Kein gemeinsames Sorgerecht bei Hochstrittigkeit

OLG Braunschweig | 25.07.2022 | 1 UF 115/21

Mutter mit Tochter

Das gemeinsame Sorgerecht ist in vielen Fällen eine gute Lösung bei der Trennung der Eltern. Das Kind kann sowohl bei der Mutter als auch beim Vater betreut werden und die Eltern treffen Sorgerechtsentscheidung trotzdem zukünftig gemeinsam. Sind die Eltern nicht verheiratet und geben auch keine gemeinsame Sorgerechtserklärung ab, steht in der Regel nur der Mutter das Sorgerecht zu. Dieses kann aber auch mithilfe eines Antrags auf den Vater übertragen werden. Im Vordergrund steht dabei aber immer das Kindeswohl.

Das Oberlandesgericht Braunschweig entschied nun, dass stark zerstrittene Eltern dem Kindeswohl nachhaltig schaden und verordneten Maßnahmen.

Mindestmaß an Kooperation für gemeinsames Sorgerecht nötig

Justitia (Symboldbild)

Die Braunschweiger Richter entschieden in ihrem Urteil 1 UF 115/21 am 25.07.2022, dass eine tragfähige soziale Beziehung zwischen den Eltern sowie ein Mindestmaß an Übereinstimmung Voraussetzung für eine gesunde Eltern-Kind-Beziehung sind. Selbst bei Unstimmigkeiten, z.B. über die Erziehung des Kindes, muss es eine Möglichkeit eines gemeinsamen Kompromisses geben.

Ist dies nicht gegeben und existiert darüber hinaus auch starkes wechselseitiges Misstrauen, kann das gemeinsame Sorgerecht entzogen werden, so die Richter vom OLG Braunschweig. Dabei dient das gemeinsame Sorgerecht auch keinesfalls der Kontrolle des anderen Elternteils, um etwaiges Fehlverhalten aufzuzeigen.

Verbessert sich die Kommunikation zwischen den Eltern nicht, auch nicht durch eine gemeinsame Elternberatung, muss von einer Kindeswohlgefährdung ausgegangen werden. In solch einem Fall führt dies zum Entzug des gemeinsamen Sorgerechts.

Weitere Informationen zu dem Urteil finden Sie unter folgendem Link:

https://www.haufe.de/recht/familien-erbrecht/sorgerecht-bei-schwerwiegenden-kommunikationsstoerungen-der-eltern_220_578054.html

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