Wechselmodell auch gegen den Willen eines Elternteils

Hammer Gericht
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Am 01.02.2017 entschied der Bundesgerichtshof, das ein Wechselmodell auch gegen den Willen eines Elternteils angeordnet werden kann. Der Bundesgerichtshof argumentierte im Wesentlichen wie folgt:

„Eine gerichtliche Umgangsregelung, die im Ergebnis zu einer gleichmäßigen Betreuung des Kindes durch beide Eltern im Sinne eines paritätischen Wechselmodells führt, wird vom Gesetz nicht ausgeschlossen. Auch die Ablehnung des Wechselmodells durch einen Elternteilhindert eine solche Regelung für sich genommen noch nicht. Entscheidender Maßstab der Regelung ist vielmehr das im konkreten Einzelfall festzustellende Kindeswohl.“

Vorraussetzung für das Wechselmodell ist die Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit




Allerdings wies der Bundesgerichtshof auch daraufhin, welche Vorraussetzungen hierfür notwendig sind:
Die auf ein paritätisches Wechselmodell gerichtete Umgangsregelung setzt eine bestehende Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit der Eltern voraus. FamRZ 2016, 1439). Dem Kindeswohl entspricht es daher nicht, ein Wechselmodell zu dem Zweck anzuordnen, eine Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit erst herbeizuführen.“

Zustimmung des anderen Elternteils zum Wechselmodell jedoch nicht mehr erforderlich

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Justizia ist blind
Justizia ist blind

war hat der Bundesgerichtshof damit deutlich gemacht, das die Zustimmung des anderen Elternteils nicht mehr notwendig ist, dennoch aber eine Kommunikations- und Kooperationsbereitschaft zwischen den Eltern bestehen muss und diese nicht erst durch das Wechselmodell (hinterher) herbeigeführt werden muss.

Der Bundesgerichtshof führte diesbezüglich aus:
„Ist das Verhältnis der Eltern erheblich konfliktbelastet, so liegt die auf ein paritätisches Wechselmodell gerichtete Anordnung in der Regel nicht im wohlverstandenen Interesse des Kindes.“
Dieses Urteil geht in die richtige Richtung und sollte (hoffentlich) auch dazu dienen das Väter (und Mütter) die ein Wechselmodell haben wollen sich für eine Verbesserung der Kommunikation einsetzen müssen und erst dann kann es ein Wechselmodell geben! Auf gut deutsch heisst das also, wenn die Eltern sich weiterhin wegen jeder Kleinigkeit streiten, kann ein Wechselmodell auch zukünftig NICHT in Betracht kommen. Es ist also wichtig, die Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit zu stärken, bevor ein Wechselmodell eingeführt werden kann. Am Ende werden die Gerichte wohl noch häufiger ein Gutachten in Auftrag geben um herauszufinden ob eine ausreichende Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit der Eltern vorhanden ist. Die Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit wird daher in den nächsten Jahren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen Schwerpunkt bei der Frage der Erziehungsfähigkeit spielen.
Das vollständige Urteil ist direkt auf der Seite des BGH abrufbar. (Hier klicken)




One thought on “Wechselmodell auch gegen den Willen eines Elternteils

  1. Karsten 06/06/2017 at 10:29

    Das Urteil mag im Grundsatz richtig sein. Es passt aber nicht zur Wissenschaft (siehe Sünderhauf). Und es wird nur weiter dazu führen, dass der Elternteil, der das WM ablehnt, einfach die Kommunikation sabotiert. Wie in meinem Fall – Die Mutter behauptet einfach mit mir können man nicht reden und damit ist das Thema vom Tisch.
    Keine Kommunikation, keine Doppelresidenz …

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