Verhaltenskodex für Anwälte

Verhaltenskodex für im Familienrecht tätige Rechtsanwälte

Der Verhaltenskodex für im Familienrecht tätige Anwälte legt die Verhaltensregeln fest, an die sich die Familienanwälte halten sollten.

Dieser Verhaltenskodex für Anwälte wurde von Elisabeth Schmidt (Rechtsanwältin, Mediatorin, Verfahrenspflegerin) aus Berlin und von Jennifer Raupach (Rechtsanwältin, Mediatorin) aus Barsinghausen erstellt und wurde auf der Internetseite des Arbeitskreis Trennung-Scheidung im Landkreis Cochem-Zell präsentiert. (Nachtrag 28.01.2016: Die Internetseite www.ak-cochem.de gibt es nicht mehr)

Verhaltenskodex für Anwälte

Präambel

Das Familienrecht stellt an den Anwalt aufgrund der komplexen psychologischen Dynamik einer jeden einzelnen (Trennungs-) Familie besondere Anforderungen. Bei Familien mit minderjährigen Kindern sind deren wohlverstandene Interessen vorrangig zu beachten.

Allgemeines

1.1. Der Anwalt wird seine Beratungen, Verhandlungen und seine Verfahrensführung so gestalten, daß die Beteiligten ermutigt und darin unterstützt werden, ihre Meinungsverschiedenheiten auszuräumen.

1.2. Der Anwalt wird der Auffassung den Vorrang geben, daß eine familienrechtliche Auseinandersetzung kein Kampf mit nur einem Gewinner und nur einem Verlierer ist; vielmehr ist sie
die Suche nach fairen Lösungen.

1.3 Wann immer es möglich ist, wird der Anwalt die Beteiligten zu einer ehrlichen Information und zu Offenheit in den Verhandlungen ermutigen.

1.4. Der Anwalt wird sich einer Sprache bedienen, die konsensorientiert und deeskalierend ist sowie den Respekt vor der Sichtweise anderer Beteiligter zum Ausdruck bringt.
In seinen Schriftsätzen wird er auf eine Wortwahl achten, die diese Aspekte berücksichtigt.

Beziehung zum Mandanten

2.1. Der Anwalt wird eine Beziehung zu seinem Mandanten herstellen und unterhalten, die es ihm bei allem Respekt vor der Sichtweise des Mandanten erlaubt, die Unabhängigkeit seines Urteils zu bewahren.  Er wird es vermeiden, so in eine Sache hineingezogen zu werden, daß seine persönlichen Gefühle die Unabhängigkeit seiner Entscheidungen gefährden.

2.2. Der Anwalt wird die Potentiale und die Bereitschaft des Mandanten fördern, an einer Konfliktlösung mitzuarbeiten.

2.3. Der Anwalt wird seinem Mandanten die Vorteile aufzeigen, die sich für die Familie aus einer außergerichtlichen Vermittlung im Gegensatz zu einer Austragung des Konflikts in einem Gerichtsverfahren ergeben.  Auch während eines Gerichtsverfahrens wird der Mandant ermutigt, außergerichtliche Konfliktlösungsmodelle zu nutzen. Der Anwalt wird seinem Mandanten erklären, daß immer dann, wenn Kinder betroffen sind, die Verhaltensweise des  Mandanten Auswirkungen auf die Familie als Ganzes und auf das Verhältnis der Kinder zu ihren Eltern haben wird.

Verhandlungen mit anderen Anwälten

3. Bei Verhandlungen mit anderen Anwälten wird der Anwalt stets Kollegialität zeigen. In geeigneten Fällen wird der Austausch von Schriftsätzen durch das direkte Gespräch ergänzt.

Kinder

4.1. Bei allen Beratungen, Verhandlungen und Verfahren wird der Anwalt seinen Mandanten und den anderen Elternteil darin unterstützen, das Wohl der Kinder als ersten und wichtigsten Gesichtspunkt anzusehen. Dabei ist das Wohl des Kindes zu verstehen als die Gesamtheit der Bedingungen, unter denen das Bedürfnis des Kindes nach Liebe sowie nach Versorgung, Schutz, Zuwendung, Förderung, Wertschätzung und nach Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit befriedigt wird, insbesondere das Bedürfnis nach einer unauflöslichen Eltern-Kind-Bindung. Der Anwalt wird seinem Mandanten behutsam, aber unmißverständlich vermitteln, daß es für die gesunde
Entwicklung des Kindes unerläßlich ist, seine Bindung zu dem anderen Elternteil gutzuheißen.

4.2. Der Anwalt wird im Auge behalten, daß die Interessen des Kindes nicht notwendig mit denen eines Elternteils übereinstimmen. In diesem Fall wird der Anwalt den Mandanten an seinen kindeswohlorientierten Arbeitsansatz erinnern. Er wird den Mandanten dahin führen und darin unterstützen, seine Haltung im Sinne des Kindes zu verändern.

4.3. Wenn die Kindes- und Elterninteressen auseinanderfallen, wird der Anwalt in einem familiengerichtlichen Verfahren frühzeitig die Bestellung eines Verfahrenspflegers anregen.

4.4. Der Anwalt hat die Bereitschaft, mit anderen am Konflikt beteiligten Professionen interdisziplinär zusammenzuarbeiten.

4.5. Sorgerechts- und Umgangsfragen einerseits und finanzielle Regelungen andererseits werden von dem Anwalt strikt getrennt und in verschiedenen Schriftstücken behandelt.

Dieser Verhaltenscodex stellt eine Zusammenfassung von Zielen und Empfehlungen dar, nach denen sich im Familienrecht tätige Anwälte bei der Vertretung ihrer Mandanten richten wollen.

Müssen sich alle Anwälte an den Kodex für Anwälte in Familienrecht halten?

Leider nein. Beim Kodex für Anwälte im Familienrecht handelt es sich „nur“ um einen Kodex. Eine rechtliche Verpflichtung oder gesetzliche Grundlage für Anwälte, sich an diesen Kodex für Anwälte im Familienrecht zu halten, oder sich zu dem Kodex zu bekennen, gibt es nicht.

Ist es gut, wenn Familienanwälte sich an den Kodex für Anwälte im Familienrecht halten?

Ja, denn Anwälte die sich an diesen Kodex halten, verpflichten sich kurzum gesagt, den Konflikt zwischen den Beteiligten zu reduzieren, anstatt den Konflikt zwischen den Beteiligten anzuheizen um am Ende möglichst viele Verfahren führen zu können.

Gibt es viele Anwälte, die sich an den Kodex für Anwälte im Familienrecht halten?

Nach uns vorliegenden Informationen gibt es deutlich mehr Anwälte im Familienrecht, die sich nicht an diesen Kodex halten. Uns sind Aussagen von einigen Anwaltskanzleien bekannt, die sich sogar dazu bekennen, das das Wohl des Kindes für die Anwaltskanzlei völlig irrelevant ist. In einer Kanzlei versichterte man uns wortwörtlich „das Wohl des Kindes interessiert hier niemanden“

Warum gibt es so wenige Anwälte die sich an den Kodex für Anwälte im Familienrecht halten?

Weil es für Anwälte lukrativ ist, wenn die Eltern sich streiten. Eltern die sich vertragen bringen dem Anwalt kein Umsatz. Erst kommt das Fressen und dann kommt die Moral

Woran kann ich erkennen, ob ein Anwalt sich an den Kodex für Anwälte im Familienrecht hält?

Sie können Ihren Anwalt fragen, ob er sich an die Verpflichtungen hält, die sich aus diesem Kodex ergeben. Wenn der Anwalt sich dazu bekennt, dürfte sich auch ein Hinweis auf der Internetseite des Anwalts empfehlen. Wenn Sie wissen wollen, ob der Anwalt der Gegenseite sich an diese Verpflichtungen hält, könnten sie im Rahmen des Verfahrens auch um eine Stellungnahme des gegnerischen Anwalts bitten, ob er sich an den Kodex für Anwälte im Familienrecht hält oder ob davon auszugehen ist, das dem gegnerischen Anwalt das Wohl des Kindes egal ist.

Gibt es eine Liste mit Anwälte, die sich an den Kodex für Anwälte im Familienrecht halten?

Uns ist eine solche Liste nicht bekannt. Wenn Sie jedoch einen Anwalt kennen, von dem Sie wissen, das dieser sich an den Kodex hält, dürfen Sie seine Daten hier gerne veröffentlichen. Wenn Sie selber einer von den sehr guten Anwälten sind, dann bitten wir Sie ebenfalls um einen Kommentar und Ihre Kontakdaten, damit unsere Leser einen Anwalt ihres Vertrauens in ihrer Region finden.

One thought on “Verhaltenskodex für Anwälte

  1. Avatar
    Herwart 21/05/2014 at 16:57

    wenn Sie die alkopop verwöhnte Jugend kritisieren, die den Müttern keinen Respekt mehr zollt, dann liegt das sicher nicht an dem Engagement der Väter, sondern daran das diese Kinder OHNE Vater aufgewachsen sind.
    Und wenn es nicht das Engagement der Väter gibt, dann haben Sie recht, das es dann noch viel viel schlimmer wir, weil sie sich nämlich um den Verstand saufen werden, weil sie die Realität nicht ertragen können!

    Fast alle Gewalttäter, Vergewaltiger, Drogenabhängige und psychisch auffälligen Jugendlichen / jungen Erwachsenen stammen aus einem Haushalt bei denen es entweder keinen Vater gab oder bei denen die Väter abwesend waren!

    Sie haben das Bild richtig erfasst und richtig beschrieben und aus diesem Grund kann es nur heissen, das die Väter endlich wieder mehr Verantwortung für ihre Kinder übernehmen müssen.

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