Muss ein mangelhaftes Gutachten bezahlt werden?

Hilfe
Hilfe

Immer wieder wird an mich die Frage herangetragen ob ein mangelhaftes Gutachten bezahlt werden muss oder nicht. Zu dieser Frage möchte ich daher heute meine Einschätzung und bisherigen Erfahrungen geben.

Mangelhaftes Gutachten dürfte eigentlich nicht bezahlt werden

Es gibt viele Gründe weswegen manche Menschen glauben, das ein fragwürdiges Gutachten nicht bezahlt werden müsste. Auch einige Anwälte und Professoren verbreiten häufig die Meinung, ein mangelhaftes Gutachten müsste nicht bezahlt werden. Sie verbreiten häufig sogar die Meinung das ein Richter die Bezahlung eines solches Gutachtens verweigern müsste.




Und genau diese sprachliche Besonderheit wird den Betroffenen zum Verhängnis. Die Betroffenen glauben dann, das es eine Rechtsvorschrift besteht aufgrund derer das Gutachten nicht bezahlt werden müsste und das es eine reale Chance gibt, das Gutachten nicht zu bezahlen. Für diese (meist falsche) Information, für diese Hoffnung sind die Betroffenen teilweise sogar bereit mehrere hundert oder tausend Euro Honorar zu bezahlen. Hilfe gibt es für die Betroffenen Richter nicht. Derjenige der dann vorher den Ratschlag gegeben hat sagt dann hinterher „Das verstehe ich auch nicht das Sie das mangelhafte Gutachten noch bezahlen müssen, eigentlich hätte das Gutachten nicht bezahlt werden dürfen.“ usw…

Am Ende sind die Betroffenen Eltern die Dummen.

Mir persönlich ist kein Fall bekannt in dem ein Betroffener Elternteil um die Bezahlung eines Sachverständigengutachten drumherumgekommen ist, selbst wenn das Gutachten so katastrophal war, das das Gericht der Empfehlung des Sachverständigen nicht gefolgt ist.

Letztlich ist es nämlich nicht so das der Sachverständige eine bestimmte Leistung schuldet (wie z.b. eine KFZ-Werkstatt, die ein Auto reparieren soll) sondern das er für die Erbringung seiner Leistung honoriert wird, unabhängig davon ob und zu welchem Ergebnis diese Leistung führt und unabhängig davon ob das Gericht der Empfehlung des Sachverständigen folgt oder nicht.

Die Vergütung des Sachverständigen ist eher vergleichbar mit der Entschädigung eines Zeugen. Wenn Sie als „normaler Mensch“ vom Gericht als Zeuge vorgeladen werden, erhalten Sie dafür ja auch eine gesetzlich geregelte Entschädigung. Dabei ist es egal ob Sie dem Gericht helfen die Sache aufzuklären oder nicht. Selbst wenn Ihre Aussage vor Gericht einen Tatverdächtigen belastet, dieser aber am Ende nicht verurteilt wird, bekommen Sie Ihre Zeugenentschädigung. Und selbst wenn Sie als Zeuge vor Gericht überhaupt nichts zur Aufklärung beitragen können bekommen Sie als Zeuge eine Entschädigung.

Und genau so ist es mit dem Sachverständigen auch. Der Sachverständige gibt seine Meinung zu dem Fall ab und es ist egal ob hinterher das Sorgerecht einem (oder beiden Teilen) entzogen wird. Es ist egal wie der Umgang hinterher geregelt ist und es ist egal ob das Gericht der Empfehlung des Sachverständigen gefolgt ist oder nicht. Der Sachverständige bekommt sein Geld und irgendjemand muss (leider) dieses Sachverständigengutachten bezahlen. Und auch die Höhe der Vergütung des Sachverständigen ist gesetzlich geregelt. (Hier klicken um zu sehen wie die Vergütung des Sachverständigen geregelt ist)

Und so ist es zwar ärgerlich, wenn irgendwann ein Kostenfestsetzungsbeschluss über die Kosten des Sachverständigengutachtens kommt, aber es ist entspricht eben der bedauerlichen Gesetzeslage.

Lieber ein paar hundert Euro für Hilfe ausgeben statt ein paar tausend Euro für ein fragwürdiges Sachverständigengutachten auszugeben

Das ist natürlich ein Grund mehr, weswegen man sich im Vorfeld überlegen sollte ob man ein Gutachten macht oder ob man sich nicht lieber außergerichtlich professionelle (kostenpflichtige) Hilfe holt um einen Konsens herbeizuführen.




4 thoughts on “Muss ein mangelhaftes Gutachten bezahlt werden?

  1. Gabriel 18/07/2017 at 15:39

    Bei uns läuft seit 3 Monaten eine Begutachtung! Nun habe ich zufällig erfahren, dass gegen den Gutachter, der auch unser Gutachten erstellen soll, ein Verfahren läuft! Er hat ein Gutachten erstellt, dass nun von 2 anderen Gutachtern als absolut mangelhaft bewertet wurde. Das OLG hat schon darüber entschieden und nun werden auch noch Zivilklagen auf diesen Gutachter zukommen. Was hat das für Auswirkungen auf unser Gutachten!

  2. Kairos 15/07/2017 at 12:52

    Muss ein nicht gewünschtes und mangelhaftes Gutachten bezahlt werden?
    Eindeutig ja!

  3. Bobby 12/07/2017 at 16:03

    Und wenn
    1. ein Elternteil dem Gutachten nicht zugestimmt hat und
    2. von vornherein schriftlich mitgeteilt hat, das Gutachten nicht zu bezahlen und
    3. auch tatschlich am Gutachten nicht mitgewirkt hat und
    4. das Gutachten tatsächlich eine Leistung nicht gebracht hat, weil es vorgibt eine Leistung zu bringen, die es nicht bringen kann und keine wissenschaftliche Methode zu Grunde legen kann?

    • Der Elterncoach
      Der Elterncoach 14/07/2017 at 22:37

      Interessante Fragen.
      Meine Einschätzung ist folgende:
      1.) Der Richter ist nicht auf die Zustimmung der Eltern angewiesen.
      2.) Das ändert auch nichts daran wenn man vorher mitteilt die Gerichtskosten oder Teile der Gerichtskosten nicht zahlen zu wollen. Lt. Gesetz fallen die Kosten an und das Gericht hat die Kosten dann auch festzusetzen.
      3.) Auch wenn Sie am Gerichtsverfahren nicht mitwirken und nur stillschweigend in der Ecke sitzen werden Ihnen diese Kosten ja auch aufgedrückt.
      4.) Welche Leistung gibt ein Gutachten denn vor? Keine! Der Sachverständige bekommt eine Beweisfrage und die soll er beantworten. Und das macht er. Ob die Leistung gefällt oder nicht ist egal. (Siehe obiger Vergleich mit den Zeugen)

      Das alles ist meine Einschätzung als juristischer Laie. Mir sind auch keine anderslautenden Urteile bekannt. Es ist für mich natürlich ebenfalls kritisch anzusehen das die horrenden Kosten des Gutachtens den Eltern auch noch in Rechnung gestellt werden. Meiner Meinung nach sollte es z.b. beim Jugendamt die entsprechenden Fachkräfte geben und das Jugendamt müsste doch in der Lage sein eine Einschätzung abzugeben! Und wenn nicht müsste es meiner Meinung nach vom Jugendamt bezahlt werden und nicht von den Eltern. Aber das ist meine Meinung. Die Realität sieht leider (noch???) anders aus.

Schreibe einen Kommentar

Name *
E-Mail *
Website